
Die Investition in einen Designklassiker ist weniger eine finanzielle Spekulation als vielmehr die Übernahme einer kuratorischen Verantwortung für ein Stück Designgeschichte.
- Authentizität ist der unumstössliche Schlüssel zur Wertsteigerung; nur echte Originale bewahren und mehren ihren Wert.
- Fachgerechte Pflege und wohlüberlegte Restaurierungen sichern die materielle Integrität und die erzählerische Kraft des Objekts.
Empfehlung: Bewerten Sie jedes Stück nicht nur nach seinem Preis, sondern nach seiner Geschichte, seiner Authentizität und seiner zukünftigen Rolle in Ihrem Lebensraum.
Die Entscheidung, einen originalen Designklassiker zu erwerben, ist eine, die weit über blosse Einrichtungsfragen hinausgeht. Es ist eine Frage des Stils, gewiss, aber ebenso eine Frage der Werthaltung und der langfristigen Perspektive. Viele fragen sich, ob ein solches Möbelstück, oft mit einem beträchtlichen Preisschild versehen, eine kluge Investition darstellt – ein Erbstück, das Generationen überdauert. Die üblichen Ratschläge beschränken sich oft darauf, auf berühmte Namen zu achten oder den Zustand zu prüfen. Doch diese oberflächliche Betrachtung wird der Tiefe des Themas nicht gerecht.
Wir tauchen oft in Diskussionen über Materialien und Designer ein, vergessen aber die subtileren Aspekte: Wie interagiert das Stück mit dem Licht? Welche Geschichte erzählt seine Patina? Und wie sichert man einen Wert, der nicht nur materiell, sondern auch ideell ist? Die wahre Frage ist nicht, *ob* sich der Kauf lohnt, sondern *wie* man das Potenzial eines solchen Objekts als lebendiges Stück Designgeschichte voll ausschöpft. Die Antwort liegt nicht im passiven Besitz, sondern in der aktiven Kuration – einem bewussten Umgang mit Authentizität, Pflege und der narrativen Kraft des Möbels im Raum.
Dieser Leitfaden verlässt die ausgetretenen Pfade. Er betrachtet Designklassiker aus der Perspektive eines Kenners und beleuchtet die entscheidenden Faktoren, die aus einem Möbelstück ein wertvolles und geliebtes Erbstück machen. Wir werden die Mechanismen der Wertsteigerung entschlüsseln, die Geheimnisse der Echtheitsprüfung lüften und Ihnen zeigen, wie Sie die Seele Ihres Klassikers über Jahrzehnte bewahren.
Die folgenden Abschnitte führen Sie durch die wesentlichen Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt, wenn Sie einen Designklassiker nicht nur als Möbel, sondern als langfristigen Vermögenswert betrachten. Das Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir für Sie vertiefen werden.
Inhaltsverzeichnis: Designklassiker als Erbstück – Ein Leitfaden für Kenner
- Warum kostet ein Stuhl von 1950 heute mehr als damals? (Wertsteigerung verstehen)
- Wie unterscheiden Sie eine gute Kopie vom Original anhand von 3 Details?
- Lederpflege: Wie verhindern Sie Risse bei teuren Designermöbeln?
- Der Fehler in der Hausratversicherung: Sind Ihre Designermöbel wirklich gedeckt?
- Wann lohnt sich die Neupolsterung eines Klassikers finanziell?
- Wann wird Patina schön? (Leder und Holz altern lassen)
- Warum wirken Ihre teuren Möbel unter billigen Spots plötzlich fahl?
- Wie nutzen Sie Designklassiker als Raumtrenner in offenen Wohn-Essbereichen?
Warum kostet ein Stuhl von 1950 heute mehr als damals? (Wertsteigerung verstehen)
Die Faszination für Designklassiker speist sich nicht nur aus ihrer Ästhetik, sondern auch aus ihrer erstaunlichen Fähigkeit, im Wert zu steigen. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer ineinandergreifender Faktoren. Im Kern steht die historische Bedeutung des Entwurfs. Wie von Kennern bei smow.ch treffend formuliert, spiegeln diese Möbel den Zeitgeist ihrer Entstehung wider und basieren auf genialen Ideen, die ihre Epoche überdauert haben. Ein originaler Entwurf von Charles & Ray Eames, Arne Jacobsen oder Le Corbusier ist mehr als ein Sitzmöbel; er ist ein kulturelles Artefakt.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Kombination aus Handwerkskunst und Materialqualität. Viele frühe Originale wurden in einer Qualität gefertigt, die heute selten geworden ist. Diese materielle Integrität, gepaart mit einer begrenzten Verfügbarkeit, schafft eine natürliche Knappheit. Während Neuauflagen existieren, sind es die gut erhaltenen Vintage-Stücke, die bei Sammlern besonders begehrt sind. Ein perfektes Beispiel ist der Eames Lounge Chair, dessen frühe Versionen heute Preise von bis zu 15.000 Euro für gebrauchte Exemplare erzielen können. Wer vor 30 Jahren ein solches von Vitra – einem Inbegriff für Schweizer Qualität – gefertigtes Stück erwarb, hat heute nicht nur den Kaufpreis zurück, sondern oft einen beachtlichen Gewinn erzielt.
Schliesslich spielt die Markendynamik und der Sammlermarkt eine Rolle. Lizenzierte Hersteller wie Vitra, Cassina oder Knoll International bürgen für Authentizität und Qualität, was den Wiederverkaufswert stabilisiert. Gleichzeitig treiben Auktionen und ein wachsendes internationales Interesse die Preise für seltene oder besonders gut erhaltene Stücke in die Höhe. Die Wertsteigerung ist also kein Mythos, sondern das logische Resultat aus Designgeschichte, materieller Exzellenz und Marktnachfrage.
Wie unterscheiden Sie eine gute Kopie vom Original anhand von 3 Details?
Auf dem Markt für Designklassiker ist die Unterscheidung zwischen einem authentischen Original und einer Replik von entscheidender Bedeutung. Nur das Original verspricht eine nachhaltige Wertsteigerung. Eine Fälschung, mag sie auch noch so gut gemacht sein, wird im besten Fall den Status eines Gebrauchsmöbels ohne Sammlerwert erreichen. Als Kenner sollten Sie Ihren Blick für die entscheidenden Details schärfen, die über den wahren Wert eines Stückes entscheiden.
Zunächst ist die Prüfung von Markierungen und Dokumenten unerlässlich. Echte Klassiker tragen oft ein Signet des Herstellers, eine eingeprägte Seriennummer oder die Unterschrift des Designers. Diese Markierungen sind oft dezent an der Unterseite oder im Inneren des Möbels angebracht. Ein vorhandenes Echtheitszertifikat ist ein starkes Indiz, aber auch dieses sollte kritisch geprüft werden. Autorisierte Hersteller wie das Schweizer Unternehmen Vitra, &Tradition, Cassina oder Thonet haben über Jahrzehnte hinweg Standards etabliert, die Fälschern oft fehlen.
Ein zweites, oft unterschätztes Detail ist die materielle Anmutung und Verarbeitung. Fassen Sie das Material an. Originales Leder hat eine andere Haptik als billiges Kunstleder. Die Schweissnähte an einem Stahlrohrgestell sind bei einem Original sauber und präzise, bei einer Kopie oft unregelmässig. Achten Sie auf Proportionen, Gewicht und die Qualität von Schrauben und Verbindungen. Diese subtilen, aber entscheidenden Merkmale verraten die wahre Herkunft. Der Preis selbst ist ebenfalls ein Indikator: Ein Angebot, das zu gut erscheint, um wahr zu sein, ist es in der Regel auch. Bedenken Sie zudem, dass im deutschsprachigen Raum viele Entwürfe als Werke der Angewandten Kunst gelten und bis 70 Jahre nach dem Tod des Designers gesetzlich geschützt sind, was den Handel mit nicht lizenzierten Kopien illegal macht.
Ihr Aktionsplan zur Echtheitsprüfung
- Markierungen identifizieren: Drehen Sie das Möbelstück um. Suchen Sie gezielt nach eingeprägten Logos, Seriennummern oder Etiketten von lizenzierten Herstellern wie Vitra, Knoll oder Cassina.
- Dokumentation anfordern: Fragen Sie den Verkäufer explizit nach dem originalen Echtheitszertifikat und der Kaufrechnung. Gleichen Sie die darauf vermerkten Daten mit dem Möbelstück ab.
- Material und Verarbeitung prüfen: Beurteilen Sie die Qualität der Nähte, die Haptik des Leders oder Holzes und die Präzision der Verbindungen. Vergleichen Sie diese Details mit Bildern aus offiziellen Herstellerkatalogen.
- Provenienz recherchieren: Erkundigen Sie sich nach der Geschichte des Möbelstücks. Eine lückenlose Besitzerhistorie von einem vertrauenswürdigen Vorbesitzer erhöht die Sicherheit erheblich.
- Expertenmeinung einholen: Ziehen Sie bei grossen Investitionen oder Unsicherheiten einen unabhängigen Gutachter oder ein spezialisiertes Auktionshaus in der Schweiz hinzu, um die Authentizität final zu bestätigen.
Lederpflege: Wie verhindern Sie Risse bei teuren Designermöbeln?
Leder ist ein lebendiges Material, das die Geschichte eines Möbelstücks erzählt. Es atmet, altert und entwickelt mit der Zeit eine einzigartige Patina. Doch diese Schönheit ist kein Selbstläufer. Ohne die richtige Pflege kann das edelste Leder austrocknen, spröde werden und Risse bilden, was den Wert und die Ästhetik Ihres Designklassikers empfindlich schmälert. Die richtige Pflege ist daher keine lästige Pflicht, sondern ein Akt der Wertschätzung und des Werterhalts.
Der Schlüssel zur Langlebigkeit von Leder liegt in zwei Prinzipien: regelmässige Reinigung und gezielte Befeuchtung. Staub und Schmutz wirken wie feines Schleifpapier und sollten wöchentlich mit einem weichen, trockenen oder nebelfeuchten Tuch entfernt werden. Vermeiden Sie aggressive Reinigungsmittel, die dem Leder seine natürlichen Öle entziehen. Für die tiefere Pflege, die je nach Nutzung und Raumklima ein- bis zweimal jährlich erfolgen sollte, sind spezielle Lederpflegemittel unerlässlich. Diese nähren das Material, halten es geschmeidig und schützen es vor dem Austrocknen.
Ein ebenso wichtiger, aber oft vernachlässigter Aspekt ist der Standort des Möbels. Direkte Sonneneinstrahlung und trockene Heizungsluft sind die grössten Feinde von hochwertigem Leder. UV-Strahlen bleichen die Farbe aus, während die trockene Luft dem Material Feuchtigkeit entzieht und es brüchig macht. Positionieren Sie Ihren Ledersessel oder Ihr Sofa daher niemals direkt an einem Südfenster oder neben einem Heizkörper. Eine konstante, moderate Luftfeuchtigkeit im Raum trägt massgeblich zur Erhaltung der materiellen Integrität bei.

Wie die Aufnahme zeigt, ist eine gepflegte Patina ein Zeichen von Charakter und Authentizität. Sollte Ihr Lieblingsstück dennoch über die Jahre an Glanz verloren haben, ist eine professionelle Restauration eine Überlegung wert. Spezialisierte Betriebe in der Schweiz, wie Max Designklassiker, weisen darauf hin, dass gerade die alten, von Hand gefertigten Originale den Vorteil haben, sich oft wunderbar restaurieren und neu beleben zu lassen.
Der Fehler in der Hausratversicherung: Sind Ihre Designermöbel wirklich gedeckt?
Sie haben in ein authentisches Meisterwerk investiert, pflegen es mit Hingabe und erfreuen sich täglich an seiner Präsenz. Doch haben Sie auch an seine adäquate Absicherung gedacht? Ein weitverbreiteter und potenziell kostspieliger Fehler ist die Annahme, dass wertvolle Designklassiker automatisch und in vollem Umfang durch eine Standard-Hausratversicherung gedeckt sind. Dies ist in den meisten Fällen eine trügerische Sicherheit, die im Schadensfall zu einem bösen Erwachen führen kann.
Das Problem liegt in der Bewertungsgrundlage der Versicherung. Eine gewöhnliche Hausratpolice deckt den Neuwert von Alltagsgegenständen ab. Ein Designklassiker ist jedoch kein gewöhnlicher Gegenstand. Sein Wert bemisst sich nicht am ursprünglichen Kaufpreis, sondern am aktuellen Marktwert als Sammlerstück. Dieser kann, wie bei Auktionen zu beobachten ist, enorme Höhen erreichen. So werden für signierte Bauhaus-Klassiker Preise bis zu 200.000 Euro aufgerufen. Ihre Versicherung würde im Schadensfall jedoch möglicherweise nur den Preis für ein vergleichbares, neues Möbelstück erstatten – ein Bruchteil des tatsächlichen Sammlerwerts.
Um diese Deckungslücke zu schliessen, sind zwei Schritte notwendig. Erstens: Lassen Sie Ihre wertvollsten Stücke professionell schätzen. Ein offizielles Gutachten eines anerkannten Experten oder Auktionshauses dient als unanfechtbare Grundlage für die Wertermittlung. Zweitens: Sprechen Sie aktiv mit Ihrer Versicherung. Melden Sie die Designklassiker als „besondere Wertgegenstände“ oder „Kunstgegenstände“ an und passen Sie die Versicherungssumme entsprechend dem Gutachten an. In vielen Fällen ist der Abschluss einer speziellen Kunst- oder Sammler-Police die sinnvollste Lösung. Sie bietet einen umfassenderen Schutz, der oft auch Transportschäden oder Schäden bei einer Restaurierung abdeckt. Die geringen Mehrkosten für eine solche Police sind eine geringe Investition im Vergleich zum potenziellen Totalverlust.
Wann lohnt sich die Neupolsterung eines Klassikers finanziell?
Irgendwann stellt sich bei jedem geliebten Polstermöbel die Frage: restaurieren oder ersetzen? Bei einem Designklassiker ist diese Entscheidung besonders heikel, da sie den finanziellen und ideellen Wert des Stückes massgeblich beeinflussen kann. Eine Neupolsterung kann einem müden Klassiker neues Leben einhauchen, aber eine unsachgemässe Ausführung kann seinen Wert auch unwiederbringlich zerstören. Die Entscheidung muss daher mit Bedacht und Kennerschaft getroffen werden.
Der entscheidende Grundsatz lautet: Eine Restaurierung lohnt sich finanziell nur, wenn sie fachgerecht ausgeführt wird und die Authentizität des Stückes respektiert. Wie Experten warnen, sind Originalbeschläge, -lackierungen und vor allem die ursprüngliche Polsterung für Kenner wichtige Indikatoren für den Wert. Ein unsachgemässer Eingriff, bei dem beispielsweise eine moderne Polstertechnik verwendet oder ein unpassender Stoff gewählt wird, kann den Wert drastisch reduzieren. Der finanzielle Gewinn einer Restaurierung liegt also nicht in der Einsparung gegenüber einem Neukauf, sondern in der Erhaltung oder Steigerung des Werts des Originals.
Eine Neupolsterung ist dann sinnvoll, wenn der Originalbezug irreparabel beschädigt oder stark verschlissen ist, die Grundstruktur des Möbels aber intakt und von hoher Qualität ist. Suchen Sie dafür ausschliesslich einen spezialisierten Restaurator oder Polsterer auf, der Erfahrung mit Möbeln der entsprechenden Epoche hat. Er wird in der Lage sein, die originalen Polstertechniken anzuwenden und einen Stoff auszuwählen, der dem ursprünglichen Material in Art, Farbe und Webart entspricht. Die Kosten für eine solche fachgerechte Arbeit können erheblich sein, sind aber eine Investition in die materielle Integrität und den zukünftigen Wert Ihres Klassikers. Im Kontext der enormen Wertsteigerungen, die manche Stücke erfahren, ist dies oft die weitaus klügere Entscheidung als ein Neukauf.
Die folgende Tabelle veranschaulicht, welches Wertpotenzial in originalen Designklassikern steckt und warum eine werterhaltende Restaurierung eine kluge Investition sein kann. Die Daten basieren auf Marktanalysen und zeigen die beeindruckende Entwicklung ausgewählter Modelle.
| Modell | Ursprünglicher Preis | Aktueller Marktwert | Wertsteigerung |
|---|---|---|---|
| Europa Sofa (Ron Arad, limitierte Edition) | ca. 20.000 EUR | Bis zu 200.000 EUR | ~900% |
| Eames Lounge Chair (Vitra, 1993) | ca. 3.500 EUR (7.000 DM) | Bis zu 15.000 EUR | ~328% |
Wann wird Patina schön? (Leder und Holz altern lassen)
In einer Welt, die oft von Makellosigkeit besessen ist, stellt das Konzept der Patina einen wunderbaren Gegenpol dar. Bei Designklassikern ist Patina nicht nur akzeptabel, sondern oft sogar höchst erstrebenswert. Sie ist der sichtbare Beweis eines gelebten Lebens, die Summe aus Berührungen, Lichteinfall und der Zeit selbst, die sich in die Oberfläche von Holz und Leder eingeschrieben hat. Doch nicht jede Gebrauchsspur ist eine schöne Patina. Die Kunst liegt darin, den schmalen Grat zwischen charaktervoller Alterung und blossem Verschleiss zu verstehen.
Schöne Patina entsteht durch einen langsamen, gleichmässigen und gepflegten Alterungsprozess. Bei Leder zeigt sie sich in einer sanften Aufhellung an den Kanten, einer Vertiefung der Farbe in den Falten und einem subtilen Glanz, der durch unzählige Berührungen entsteht. Sie erzählt von den Menschen, die auf dem Sessel sassen, und den Stunden, die er im Raum verbrachte. Bei Holz äussert sich eine edle Patina durch eine Nachdunklung oder Aufhellung des Farbtons, abhängig von der Holzart und dem Lichteinfall, sowie durch eine seidenmatte Oberfläche, die sich über Jahrzehnte entwickelt. Dies ist das Gegenteil von tiefen Kratzern, Wasserflecken oder rissigen Oberflächen, die auf Vernachlässigung hindeuten.
Der Schlüssel zu einer schönen Patina ist die bereits erwähnte konsequente, aber sanfte Pflege. Sie schützt das Material vor schädlichen Einflüssen, ohne den natürlichen Alterungsprozess zu unterbinden. Es geht darum, das Material atmen zu lassen und ihm zu erlauben, seine eigene Geschichte zu entwickeln. Eine „lebendige Patina“ ist somit das Ergebnis einer bewussten Kuration. Sie verleiht einem Möbelstück eine Seele und eine Authentizität, die kein neues Stück jemals haben kann. Sie ist der Grund, warum ein 50 Jahre alter Sessel oft mehr Charakter und Wärme ausstrahlt als sein brandneues Pendant aus dem Showroom.

Dieses Verständnis für die Ästhetik des Alterns ist zentral. Es verwandelt den Besitzer eines Designklassikers von einem reinen Konsumenten in einen Kustos, der die Entwicklung eines wertvollen Objekts begleitet und formt. Es ist die Wertschätzung für die Spuren der Zeit, die den wahren Kenner ausmacht.
Warum wirken Ihre teuren Möbel unter billigen Spots plötzlich fahl?
Sie haben sorgfältig einen Designklassiker ausgewählt, ihn perfekt im Raum platziert – und doch will sich die Magie nicht recht einstellen. Das edle Holz wirkt leblos, das farbige Leder fahl. Die Ursache liegt oft nicht am Möbelstück, sondern an einer häufig unterschätzten Komponente: der Beleuchtung. Billige Lichtquellen, insbesondere LED-Spots mit einem schlechten Farbspektrum, können die materielle Schönheit selbst des hochwertigsten Objekts zunichtemachen. Gutes Licht hingegen inszeniert, modelliert und erweckt die Materialien zum Leben.
Das entscheidende Kriterium für die Qualität einer Lichtquelle ist der Farbwiedergabeindex (CRI oder Ra). Er gibt auf einer Skala bis 100 an, wie naturgetreu Farben unter einem künstlichen Licht erscheinen. Tageslicht hat einen CRI von 100. Günstige LEDs haben oft nur einen CRI von 80, was dazu führt, dass subtile Farbnuancen, besonders im Rot- und Braunspektrum von Holz und Leder, verloren gehen. Das Material wirkt flach und uninteressant. Für die Inszenierung von Designklassikern sollten Sie daher ausschliesslich Leuchtmittel mit einem CRI von über 95 wählen. Dieser Unterschied ist nicht nur messbar, sondern sofort sichtbar.
Neben der Lichtqualität ist auch die Lichtführung von Bedeutung. Harte, direkte Spots von oben erzeugen unschöne Schatten und können empfindliche Oberflächen auf Dauer sogar schädigen. Besser ist eine weiche, indirekte Grundbeleuchtung, die durch gezielte Akzente ergänzt wird. Eine Stehleuchte, die warmes Licht auf einen Sessel wirft, oder ein gerichteter Strahler, der die Maserung eines Sideboards betont, schafft Atmosphäre und hebt die Qualitäten des Möbelstücks hervor. Ironischerweise sind es oft selbst Designklassiker der Beleuchtung, wie die zeitlose Artemide Tolomeo Tavolo, die andere Klassiker am besten in Szene setzen. Sie beweisen, dass gutes Design auch bei der Beleuchtung eine lohnende Investition ist.
Checkliste für die optimale Beleuchtung Ihrer Designklassiker
- Farbwiedergabeindex (CRI) prüfen: Verwenden Sie ausschliesslich Leuchtmittel mit einem CRI von 95 oder höher, um die Materialfarben authentisch darzustellen.
- Direkte Sonneneinstrahlung und UV-Licht vermeiden: Positionieren Sie wertvolle Stücke nicht im direkten Sonnenlicht und nutzen Sie UV-filternde Folien an Fenstern, um Ausbleichen zu verhindern.
- Auf indirekte Beleuchtung setzen: Schaffen Sie eine weiche, gleichmässige Grundhelligkeit durch indirekte Lichtquellen, um harte Schatten und Blendung zu vermeiden.
- Gezielte Akzente schaffen: Nutzen Sie verstellbare Strahler oder Stehleuchten, um die Form, Textur und Materialität Ihrer Klassiker gezielt zu betonen und sie als Kunstwerke zu inszenieren.
- Lichtfarbe (Kelvin) abstimmen: Wählen Sie eine warme Lichtfarbe (ca. 2700-3000 Kelvin) für eine gemütliche und einladende Atmosphäre, die besonders Holz- und Ledertönen schmeichelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Designklassiker ist eine Investition in Geschichte und Handwerk; sein Wert wird durch Authentizität und Knappheit bestimmt.
- Die Unterscheidung zwischen Original und Fälschung erfordert ein geschultes Auge für Material, Verarbeitung und Herstellerkennzeichnungen.
- Sorgfältige Pflege und eine adäquate Versicherung sind unerlässlich, um den materiellen und ideellen Wert über Jahrzehnte zu sichern.
Wie nutzen Sie Designklassiker als Raumtrenner in offenen Wohn-Essbereichen?
In modernen, offenen Grundrissen stellt sich oft die Herausforderung, grosse Flächen zu strukturieren, ohne ihre Grosszügigkeit zu verlieren. Designklassiker bieten hierfür eine elegante und funktionale Lösung. Sie können weit mehr sein als nur solitäre Objekte; mit Bedacht platziert, agieren sie als subtile, aber wirkungsvolle Raumtrenner, die Zonen definieren, ohne Wände zu errichten. Ihre skulpturale Qualität und durchdachte Formgebung prädestinieren sie für diese Aufgabe.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das USM Möbelbausystem Haller, ein Inbegriff für Schweizer Designpräzision. Ursprünglich 1963 von Fritz Haller für den Eigenbedarf entwickelt, überzeugte das modulare System schnell ein breites Publikum und wurde mit der Möblierung der Rothschild Bank in Paris international bekannt. Ein Sideboard von USM Haller, frei im Raum zwischen Wohn- und Essbereich platziert, schafft eine klare visuelle Trennung. Gleichzeitig bleibt es durch seine filigrane Struktur und die Möglichkeit, offene Fächer zu integrieren, transparent und luftig. Es zoniert den Raum und bietet zugleich wertvollen Stauraum und eine Bühne für weitere Objekte. Die Anerkennung als Designikone wurde zementiert, als das System seit 2001 in die permanente Sammlung des MoMA in New York aufgenommen wurde.
Aber nicht nur Regalsysteme eignen sich für diese Aufgabe. Eine Chaiselongue wie die LC4 von Le Corbusier oder eine Gruppe von Sesseln kann ebenfalls eine „Insel“ im Raum bilden, die den Wohnbereich vom Essbereich oder dem Arbeitsplatz abgrenzt. Der Schlüssel liegt darin, das Möbelstück als architektonisches Element zu begreifen. Seine Rückseite ist ebenso wichtig wie seine Vorderseite. Ein Klassiker mit einer schön gestalteten Rückenansicht, wie viele Entwürfe von Finn Juhl oder Hans J. Wegner, kann seine volle Wirkung erst entfalten, wenn er frei im Raum steht. So wird das Möbelstück von einem reinen Gebrauchsgegenstand zu einem aktiven Gestalter des Raumes, der Funktionalität und höchste ästhetische Ansprüche vereint.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Wohnräume nicht nur einzurichten, sondern sie mit Objekten von bleibendem Wert und historischer Bedeutung bewusst zu kuratieren.
Fragen und Antworten zu Designermöbeln als Wertanlage
Warum sind Designermöbel eine Wertanlage?
Der Wert von Designermöbeln wird durch die Zeitlosigkeit des Designs, die hohe Materialqualität und beste Verarbeitung bestimmt. Bei Möbeln von namhaften Designern kann man davon ausgehen, dass die Artikel in Schönheit altern. Leichte Gebrauchsspuren und eine gepflegte Patina verleihen manchen Möbeln sogar mehr Charakter und steigern ihren ideellen Wert.
Wie erkenne ich die Echtheit meiner Möbel?
Um die Echtheit Ihres Möbels zu überprüfen, sollten Sie es genau untersuchen. Oft finden sich an der Unterseite oder an einer unauffälligen Stelle eine eingeprägte Unterschrift des Designers, eine Seriennummer oder ein Signet des lizenzierten Herstellers. Diese Markierungen sind ein starkes Indiz für ein Original.
Behalten alle Designermöbel ihren Wert?
Nein, eine Wertsteigerung ist fast ausschliesslich bei authentischen Originalen zu erwarten. Replica-Möbel, die den Originalen nur nachempfunden sind, steigen nicht im Wert. Sie erzielen bei einem Wiederverkauf allenfalls einen Flohmarktpreis und gelten nicht als Sammlerstücke oder Investitionsobjekte.