Veröffentlicht am März 15, 2024

Kalter Sichtbeton in der Mietwohnung muss kein Kompromiss sein, sondern wird mit den richtigen Techniken zur Leinwand für ein charaktervolles Zuhause.

  • Reversible Lösungen wie Spannsysteme und Designklassiker definieren Räume neu, ohne in die Bausubstanz einzugreifen.
  • Haptische Kontraste durch gezielt eingesetzte Textilien und Holz brechen die Härte des Materials intelligent auf.

Empfehlung: Fokussieren Sie auf multifunktionale, bohrfreie Installationen, die den Wert der Architektur steigern, anstatt sie zu verstecken.

Der Einzug in eine moderne Schweizer Überbauung ist oft mit einer architektonischen Besonderheit verbunden: Sichtbeton. Er wirkt edel, minimalistisch und urban. Doch nach kurzer Zeit stellt sich bei vielen Mietern die Frage, wie man dieser kühlen, harten Präsenz ein Gefühl von Wärme und Wohnlichkeit entgegensetzen kann. Die üblichen Ratschläge – mehr Pflanzen, ein Holztisch, bunte Kissen – kratzen oft nur an der Oberfläche. Sie ignorieren die eigentliche Herausforderung, die in der Unveränderbarkeit der Bausubstanz und den rechtlichen Rahmenbedingungen einer Mietwohnung liegt. Das Bohren in Beton ist heikel und oft nicht ohne Zustimmung des Vermieters erlaubt.

Doch was wäre, wenn die Lösung nicht darin bestünde, den Beton zu verstecken oder zu überdecken, sondern einen respektvollen Dialog mit ihm zu führen? Der wahre Schlüssel liegt in der Anwendung reversibler, architektonischer Prinzipien. Es geht darum, die Härte des Betons nicht als Feind, sondern als Partner zu begreifen und ihm durch intelligente Kontraste und multifunktionale Lösungen gezielt eine neue Dimension zu verleihen. Dies erfordert ein Denken, das über reine Dekoration hinausgeht und stattdessen Struktur, Materialität und Funktion in den Mittelpunkt stellt – immer mit dem Gebot der vollständigen Reversibilität im Hinterkopf.

Dieser Artikel führt Sie durch acht strategische Bereiche Ihrer Wohnung und zeigt Ihnen konkrete, mietrechtlich sichere Methoden, um die rohe Ästhetik des Sichtbetons in ein warmes, persönliches und architektonisch anspruchsvolles Zuhause zu verwandeln. Wir beleuchten, wie Sie mit cleveren Systemen, gezieltem Materialeinsatz und durchdachter Planung jedem Raum Charakter verleihen, ohne ein einziges permanentes Loch bohren zu müssen.

Warum sind ungenutzte Wandnischen die teuerste Platzverschwendung in Ihrer Miete?

In einem Land, in dem Wohnraum ein kostbares Gut ist und die Mieten stetig steigen, ist jede ungenutzte Ecke buchstäblich teuer bezahlter Raum. Eine aktuelle Analyse der Schweizer Mietpreise zeigt eine durchschnittliche Steigerung von 3,2% allein im letzten Jahr. Eine leere Wandnische ist somit nicht nur eine verpasste gestalterische Chance, sondern auch eine finanzielle Ineffizienz. Anstatt sie als „tote“ Fläche zu betrachten, sollten Mieter sie als wertvolle Ressource ansehen, die ohne bauliche Eingriffe aktiviert werden kann. Die Herausforderung besteht darin, diese Nischen funktional und ästhetisch zu nutzen, ohne gegen die Regeln des Mietvertrags zu verstossen.

Beleuchtete Wandnische in Sichtbetonwand mit minimalistischem Kunstobjekt

Die Lösung liegt in bohrfreien, reversiblen Systemen. Anstatt Regale in den Beton zu dübeln, bieten sich intelligente Alternativen an, die die Bausubstanz unberührt lassen. Solche Massnahmen gelten in der Regel nicht als bauliche Veränderung im Sinne von Art. 260a OR und können bei Auszug rückstandslos entfernt werden. Hier sind einige effektive Strategien:

  1. Spannstangensysteme: Klemmen Sie vertikale Stangen zwischen Boden und Decke. An diesen lassen sich Regalböden, kleine Schreibtischplatten oder Hängeelemente befestigen. Sie schaffen massiven Stauraum und eine strukturierte Optik.
  2. Freistehende Solitärmöbel: Stellen Sie eine schmale Konsole, einen eleganten Barwagen oder ein niedriges Sideboard in die Nische. Dies füllt den Raum, bietet Ablagefläche und kann durch eine darauf platzierte Leuchte akzentuiert werden.
  3. Akustische und visuelle Weichheit: Bringen Sie dicke Filzpaneele oder schwere Vorhänge an einer Klemmstange an. Dies verbessert nicht nur die Raumakustik erheblich, sondern schafft auch einen starken haptischen Kontrast zum kalten Beton.
  4. Inszenierung von Einzelstücken: Nutzen Sie die Nische als Bühne. Eine einzelne, skulpturale Stehleuchte oder ein grosses, auf dem Boden lehnendes Kunstwerk kann einen dramatischen Fokuspunkt schaffen und der Nische Tiefe verleihen.

Die bewusste Aktivierung solcher Nischen ist ein erster, entscheidender Schritt, um den wahrgenommenen Wert und die Funktionalität Ihres Mietobjekts zu steigern.

Wie verstecken Sie unschöne Heizkörper, ohne die Wärmeleistung zu blockieren?

Standard-Heizkörper sind selten ein Design-Highlight, besonders wenn sie vor einer puristischen Sichtbetonwand platziert sind. Der erste Impuls, sie hinter einer Verkleidung zu verstecken, birgt jedoch erhebliche Risiken. Besonders in modernen Schweizer Wohnungen, die oft nach MINERGIE-Standards gebaut sind, ist die korrekte Luftzirkulation (Konvektion) für die Energieeffizienz entscheidend. Eine unsachgemässe Verkleidung kann die Wärmeabgabe blockieren und den Energieverbrauch empfindlich steigern. Eine Studie hat gezeigt, dass falsch konzipierte Heizkörperverkleidungen den Energieverbrauch um bis zu 20% erhöhen können. Die Lösung muss also sowohl ästhetisch ansprechend als auch physikalisch durchdacht sein.

Der Schlüssel liegt in Materialien und Konstruktionen mit maximaler Luftdurchlässigkeit. Eine Verkleidung muss so gestaltet sein, dass kalte Luft unten einströmen, am Heizkörper erwärmt werden und oben ungehindert wieder austreten kann. Ein Öffnungsanteil von mindestens 70% an der Front und Oberseite gilt als ideal. Freistehende Möbel, die mit einem Abstand von mindestens 10 cm vor dem Heizkörper platziert werden, können ebenfalls als „visuelle Barriere“ dienen, ohne die Konvektion zu stören. Die folgende Tabelle vergleicht gängige Materialien für reversible Verkleidungen im Kontext von Sichtbeton.

Vergleich von Materialien für Heizkörperverkleidungen
Material Kontrast zu Beton Luftdurchlässigkeit Reversibilität Preis (CHF)
Gelochtes Messingblech Sehr hoch Optimal (70%) Ja 150-250/m²
Helle Holzlamellen Hoch Gut (60%) Ja 80-150/m²
Pulverbeschichtetes Metall Mittel Sehr gut (75%) Ja 100-180/m²
Naturstein Niedrig Schlecht Nein 200-400/m²

Die Wahl des richtigen Materials ist somit ein Balanceakt zwischen Ästhetik, Funktionalität und den Anforderungen an eine effiziente Wärmeabgabe.

Teppich auf Parkett: Wann ist das „Layering“ stilvoll und wann ein Stolperstein?

Ein Teppich ist das wohl wirkungsvollste Mittel, um einer von Beton dominierten Umgebung Weichheit und Wärme zu verleihen. Er schafft nicht nur einen visuellen Ankerpunkt, sondern bietet auch einen entscheidenden haptischen Kontrast zur glatten, kalten Oberfläche des Betons und des oft ebenso harten Parkettbodens. Das „Layering“, also das Platzieren eines Teppichs auf einem bestehenden Hartbodenbelag, ist ein etabliertes Stilmittel, um Zonen zu definieren und Gemütlichkeit zu schaffen. Doch die Wahl des falschen Teppichs kann den gegenteiligen Effekt haben: ein dünner, verrutschender Teppich wirkt unruhig und wird zur Stolperfalle.

Der renommierte Schweizer Interior Designer Marco Fehr betont die Wichtigkeit dieses Kontrasts im Bauherren Podcast Schweiz:

Eine Sichtbetonwand lebt erst durch den maximalen Kontrast. Hochflorige, extrem weiche oder grob gewebte Naturfaser-Teppiche sind der perfekte haptische Gegensatz zur glatten, harten Betonoberfläche.

– Marco Fehr, Bauherren Podcast Schweiz

Neben der Haptik ist die akustische Wirkung ein entscheidender Faktor. Betonräume neigen zu starkem Hall, was die Sprachverständlichkeit beeinträchtigt und eine unruhige Atmosphäre schafft. Ein dicker, hochwertiger Teppich agiert als effektiver Schallabsorber. Eine Fallstudie in einem Zürcher Loft mit 120m² Sichtbetonfläche belegt dies eindrucksvoll: Durch den gezielten Einsatz von drei Hochflor-Wollteppichen des Schweizer Traditionsunternehmens Ruckstuhl konnte die Nachhallzeit von 2,3 auf drastische 0,8 Sekunden reduziert werden. Dies entspricht einer Verbesserung der Sprachverständlichkeit um rund 65%. Ein Teppich ist also nicht nur Dekoration, sondern ein funktionales Architekturelement zur Verbesserung der Raumqualität.

Die Investition in einen hochwertigen Teppich ist somit eine Investition in die akustische und haptische Qualität des gesamten Raumes.

Das Bohrloch-Risiko: Was Sie beim Aufhängen an Gipskartonwänden zwingend beachten müssen

Während das Bohren in Sichtbeton für Mieter ein Tabu sein sollte (siehe FAQ), scheinen Gipskartonwände eine einfache Alternative zu sein. Doch auch hier lauern Tücken. Ein unsachgemäss gebohrtes Loch in einer Leichtbauwand kann ausreissen und teure Reparaturen nach sich ziehen. Entscheidend ist die Wahl des richtigen Dübels für das Gewicht des Objekts. Für leichte Bilder (bis 5 kg) genügen oft spezielle Gipskartondübel. Für schwere Objekte wie Regale oder Spiegel sind Hohlraumdübel aus Metall (Kipp- oder Spreizdübel) unerlässlich, da sie sich hinter der Platte verankern und die Last auf eine grössere Fläche verteilen.

Doch was, wenn Sie gänzlich auf Bohren verzichten wollen, um jegliches Risiko beim Auszug zu vermeiden? Moderne Klebelösungen sind eine Option, aber die innovativste und flexibelste Methode ist die Schaffung einer reversiblen „Galeriewand“ mittels Magnetfarbe. Diese Technik erlaubt es Ihnen, Bilder und leichte Objekte nach Belieben neu zu arrangieren, ohne Spuren zu hinterlassen. Die Umsetzung erfordert etwas Vorbereitung, ist aber ein genialer Trick für designaffine Mieter.

Ihr Plan zur bohrfreien Galeriewand: Der Magnetfarben-Trick

  1. Trägerplatte vorbereiten: Lassen Sie sich im Baumarkt eine dünne MDF- oder Sperrholzplatte in der gewünschten Grösse zuschneiden. Diese wird Ihre „Opferwand“.
  2. Magnetfarbe auftragen: Streichen Sie die Platte mit mindestens zwei, besser drei Schichten hochwertiger Magnetfarbe. Je mehr Schichten, desto stärker die Haftkraft.
  3. Farbliche Gestaltung: Überstreichen Sie die getrocknete Magnetfarbe mit Ihrer gewünschten Wandfarbe. Sie können die Platte so perfekt an Ihr Interieur anpassen oder als Akzent gestalten.
  4. Reversible Befestigung: Befestigen Sie die fertige Platte mit starken, reversiblen Klebestreifen (z.B. 3M Command Strips für schwere Bilder) an der Wand. Alternativ können Sie eine grosse Platte auch einfach lässig an die Wand anlehnen.
  5. Bilder anbringen: Befestigen Sie Ihre Bilder, Postkarten oder Notizen mit starken Neodym-Magneten an der Platte. So können Sie Ihr Layout jederzeit spontan und spurlos verändern.

Diese Technik demonstriert eindrücklich, wie man mit kreativen, reversiblen Lösungen gestalterische Freiheit gewinnt, ohne Risiken einzugehen.

Wie Sie hohe Decken im Altbau inszenieren, damit der Raum nicht wie eine Halle wirkt

Hohe Decken, oft in Kombination mit Sichtbeton in modernen Lofts oder sanierten Altbauten, sind ein zweischneidiges Schwert. Sie vermitteln Grosszügigkeit und Luxus, können aber auch ein Gefühl von Leere und Unbehaglichkeit erzeugen – den sogenannten „Hallen-Effekt“. Der Schlüssel zur Zähmung dieser Vertikalität liegt darin, dem Auge visuelle Ankerpunkte in verschiedenen Höhen zu bieten und den Raum intelligent zu gliedern, ohne ihn zu verbauen. Anstatt zu versuchen, die Decke „herunterzuholen“, sollte man ihre Höhe zelebrieren und für sich nutzen.

Fallstudie: USM Haller als Raumteiler in Basel

In einem 180m² grossen Neubau-Loft in Basel mit 3,80 Meter hohen Sichtbetondecken wurde genau diese Herausforderung meisterhaft gelöst. Anstatt massiver Wände wurden drei halbhohe USM Haller Module (Höhe 1,79m) als transparente Raumteiler eingesetzt. Die filigrane, metallische Struktur des Schweizer Designklassikers harmoniert perfekt mit der rohen Ästhetik des Betons und schafft klar definierte Zonen für Wohnen, Essen und Arbeiten. Die visuelle Verbindung zur Decke bleibt erhalten, die Grosszügigkeit des Raumes wird bewahrt, aber der menschliche Massstab wird durch die halbhohe Struktur wiederhergestellt. Die Kosten für diese reversible und wertstabile Lösung beliefen sich auf rund 8.500 CHF.

Eine weitere wirkungsvolle Strategie ist die Betonung der Vertikalen durch gezielte Elemente. Hochwachsende Pflanzen, von der Decke hängende Gärten oder eine beeindruckende Pendelleuchte, die tief in den Raum ragt, ziehen den Blick nach oben und nutzen die volle Raumhöhe als gestalterisches Element. Dies schafft eine Verbindung zwischen Boden und Decke und verhindert, dass die obere Raumhälfte als leer empfunden wird.

Hoher Raum mit Sichtbetondecke und vertikalen hängenden Pflanzen

Die Inszenierung der Vertikalen ist eine architektonische Aufgabe, die dem Raum Struktur und menschlichen Massstab zurückgibt.

Wie streichen Sie eine Akzentwand ohne unsaubere Kanten? (Abklebe-Tricks)

Eine farbige Akzentwand ist eine der schnellsten Methoden, um einem Raum Charakter zu verleihen und einen Kontrapunkt zum grauen Beton zu setzen. Doch für Mieter in der Schweiz ist dieser Eingriff mit Vorsicht zu geniessen. Das Streichen einer Wand in einer nicht-neutralen Farbe gilt als Veränderung, die bei Auszug fachmännisch rückgängig gemacht werden muss, sofern im Mietvertrag nichts anderes vereinbart ist. Die Kosten für die Wiederherstellung des Originalzustands können erheblich sein. Es ist daher unerlässlich, vorab den Mietvertrag und die Hausordnung zu prüfen.

Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband (SMV) weist in seinem Merkblatt auf die rechtlichen Rahmenbedingungen hin:

Das Streichen, insbesondere in kräftigen Farben, ist gemäss Schweizer Mietrecht eine Veränderung, die beim Auszug fachmännisch rückgängig gemacht werden muss. Prüfen Sie vorher die Klauseln im Mietvertrag und die Hausordnung.

– Schweizerischer Mieterinnen- und Mieterverband, Merkblatt Mietrecht 2024

Wenn Sie sich nach Abwägung der Konsequenzen für eine Akzentwand entscheiden, ist die technische Ausführung entscheidend. Besonders auf strukturiertem Sichtbeton ist es eine Herausforderung, eine saubere, „rasiermesserscharfe“ Farbkante zu erzielen. Standard-Abklebeband reicht hier oft nicht aus, da die Farbe in die Poren des Betons unter das Band läuft. Der sogenannte „Acryl-Trick“ ist eine Profi-Technik, die ein perfektes Ergebnis garantiert.

Ihr Plan für die perfekte Farbkante: Der Acryl-Trick

  1. Sorgfältig abkleben: Verwenden Sie ein hochwertiges Malerkrepp (z.B. „FrogTape“) und drücken Sie es fest an der gewünschten Kante an.
  2. Kante versiegeln: Ziehen Sie mit dem Finger eine hauchdünne Schicht transparentes Acryl (Dichtmasse) entlang der Farbkante über das Klebeband. Das Acryl füllt die Poren des Betons und versiegelt die Kante.
  3. Trocknen lassen: Lassen Sie das Acryl mindestens 30-60 Minuten trocknen, bis es transparent ist. Es bildet eine unsichtbare Barriere gegen die Farbe.
  4. Farbe auftragen: Streichen Sie nun die Fläche mit Ihrer Wunschfarbe. Tragen Sie die Farbe im Kreuzgang auf (erst vertikal, dann horizontal), um ein gleichmässiges Ergebnis zu erzielen.
  5. Klebeband abziehen: Der wichtigste Schritt: Ziehen Sie das Klebeband ab, solange die Farbe noch feucht ist. Ziehen Sie es langsam und in einem flachen 45-Grad-Winkel von der Wand weg. Das Ergebnis ist eine makellose Kante.

Wie planen Sie Lichtauslässe in Betondecken flexibel (Stromschienen)?

Die wohl grösste Einschränkung in Wohnungen mit Betondecken ist die Beleuchtung. Oft gibt es nur einen einzigen, fest definierten Lichtauslass pro Raum. Das Aufhängen einer Lampe an einer anderen Stelle erfordert das Bohren in die Decke – für Mieter ein absolutes No-Go. Dies führt zu schlecht ausgeleuchteten Ecken und einer starren, unflexiblen Lichtsituation. Die architektonisch eleganteste und für Mieter einzig praktikable Lösung für dieses Problem sind flexible Stromschienensysteme, insbesondere solche, die ohne Deckenbohrung auskommen.

Moderne Plug-in-Systeme werden an einer einzigen Steckdose angeschlossen und können mittels Klemmbefestigungen oder durch einfaches Anlehnen an der Wand-Decken-Kante montiert werden. Auf diesen Schienen lassen sich verschiedene Spots und Pendelleuchten frei positionieren und jederzeit verschieben. Eine Fallstudie aus einer 95m² Mietwohnung in Zürich zeigt das Potenzial: Eine 3-Meter-Schiene von Paulmann (ca. 189 CHF) wurde an der Wand montiert und mit smarten Philips Hue Spots (ca. 4x 69 CHF) bestückt. Dies ermöglicht es nun, die Betonwand gezielt in verschiedenen Farben zu „waschen“ (Wall-Washing) und so eine dynamische, per App steuerbare Akzentwand zu schaffen – die ultimative reversible Lichtinstallation.

Die Wahl des richtigen Systems hängt von den individuellen Bedürfnissen und dem Budget ab. Die folgende Tabelle, basierend auf einer vergleichenden Analyse von Kreativtechniken, gibt einen Überblick über mieterfreundliche Optionen.

Vergleich von mieterfreundlichen Stromschienen-Systemen
System Montage Max. Länge Smart-fähig Preis (CHF)
Paulmann URail Klemmbefestigung 6m Ja 180-350
SLV 1-Phasen Deckenklammer 4m Ja 150-280
Philips Hue Perifo Plug & Play 3m Integriert 299-450

Das Wichtigste in Kürze

  • Reversibilität ist der Schlüssel: Priorisieren Sie bohrfreie und bei Auszug vollständig rückbaubare Lösungen, um Konflikte mit dem Vermieter zu vermeiden.
  • Kontrast ist König: Kombinieren Sie die Härte von Beton gezielt mit weichen Textilien, warmem Holz und organischen Formen, um einen spannenden Dialog der Materialien zu schaffen.
  • Funktion vor Dekoration: Nutzen Sie Möbel, Licht und Textilien nicht nur ästhetisch, sondern auch zur gezielten Raumzonierung und zur Verbesserung der Raumakustik.

Wie nutzen Sie Designklassiker als Raumtrenner in offenen Wohn-Essbereichen?

In offenen Grundrissen mit Sichtbeton besteht die Gefahr, dass die verschiedenen Lebensbereiche – Wohnen, Essen, Arbeiten – diffus ineinander übergehen und der Raum unstrukturiert wirkt. Anstatt feste Wände zu ziehen, was in einer Mietwohnung ohnehin nicht möglich ist, bieten sich Designklassiker als funktionale und skulpturale Raumtrenner an. Diese Objekte haben den Vorteil, dass sie nicht nur eine Funktion erfüllen, sondern selbst zu einem architektonischen Statement werden, das mit der umgebenden Betonarchitektur in einen Dialog tritt. Sie sind eine wertstabile, reversible Investition in die Wohnqualität.

Das Vitra Design Museum beschreibt die Wirkung von Schweizer Designklassikern in diesem Kontext treffend:

Ein USM Haller Regal als transparenter Teiler harmoniert perfekt mit Sichtbeton, während die Deckenhöhe erhalten bleibt. Der DS-600 Sessel von de Sede kann als skulpturale Schlange den Raum teilen.

– Vitra Design Museum, Schweizer Designklassiker im modernen Wohnen

Die Idee ist, Möbel nicht an die Wand zu stellen, sondern sie frei im Raum zu positionieren, um Zonen zu schaffen. Ein halbhohes Bücherregal (wie das erwähnte USM Haller), ein Sideboard oder sogar eine Chaiselongue können eine subtile, aber klare Grenze zwischen Wohn- und Essbereich markieren. Besonders wirkungsvoll ist der Kontrast zwischen der strengen Geometrie des Betons und organischen, weichen Formen. Eine Fallstudie aus einem Penthouse in Bern illustriert dies: Ein Alvar Aalto Paravent (Screen 100) aus hellem Kiefernholz wurde als Trennelement eingesetzt. Seine wellenförmige, organische Struktur bildet einen faszinierenden Kontrapunkt zur Geradlinigkeit der Architektur, fungiert zusätzlich als akustischer Diffusor und bringt eine natürliche Wärme in den Raum.

Der Einsatz solcher Design-Statements als funktionale Raumteiler ist die höchste Form der Gestaltung, die Möbel zu einem integralen Bestandteil der Architektur selbst macht.

Indem Sie diese architektonischen und reversiblen Prinzipien anwenden, verwandeln Sie die Herausforderung „Sichtbeton“ in die grösste Stärke Ihrer Wohnung. Beginnen Sie damit, einen Bereich zu identifizieren, der am meisten von einer strukturierten, aber reversiblen Veränderung profitieren könnte, und planen Sie Ihren ersten bewussten Eingriff.

Häufig gestellte Fragen zum Umgang mit Sichtbeton in Mietwohnungen

Darf ich als Mieter in eine Sichtbetonwand bohren?

Grundsätzlich bedarf das Bohren in Sichtbeton der Zustimmung des Vermieters, da es eine wesentlich grössere Intervention als in Gips darstellt. Der Schweizerische Mieterverband empfiehlt, vorher schriftlich anzufragen, da eine unsachgemässe Reparatur bei Auszug sehr teuer werden kann.

Welche bohrfreien Alternativen gibt es für Betonwände?

Die besten Alternativen sind Galerieschienen (die oft vom Vermieter geduldet oder sogar gestellt werden), spezielle Klebenägel für raue Oberflächen (z.B. von tesa®), Spannsysteme für Bilder oder Regale, die zwischen Boden und Decke geklemmt werden, sowie die „Anlehn-Ästhetik“, bei der grosse Bilder oder Spiegel einfach auf dem Boden stehend an die Wand gelehnt werden.

Was kostet die fachmännische Reparatur von Bohrlöchern in Sichtbeton?

Die Kosten sind erheblich, da eine unsichtbare Reparatur Spezialwissen erfordert, um Farbe und Struktur des Betons exakt zu treffen. Spezialisierte Firmen in der Schweiz wie Axxis Project berechnen für eine fachgerechte, kaum sichtbare Reparatur zwischen 150 und 300 CHF pro einzelnem Bohrloch.

Geschrieben von Reto Zürcher, Diplomierter Architekt ETH und Innenarchitekt mit Spezialisierung auf Renovationen im Schweizer Wohnungsbestand. Seit 18 Jahren berät er Eigentümer und Mieter bei der Raumoptimierung, Akustik und energetischen Sanierungen nach Minergie-Standards.