
Die landläufige Meinung, viele Lampen schaffen Atmosphäre, greift zu kurz. Wahre Lichtarchitektur formt Räume durch das gezielte Zusammenspiel von Licht und Schatten.
- Lichtinseln sind keine Dekoration, sondern definieren funktionale und emotionale Zonen.
- Der Schatten ist ein aktives Gestaltungselement, das Tiefe und Struktur schafft.
Empfehlung: Betrachten Sie jede Leuchte nicht als Lichtquelle, sondern als Pinsel, mit dem Sie die Wahrnehmung Ihres Raumes malen.
Ein grosses, offenes Loft oder ein weitläufiger Wohn-Essbereich verspricht Freiheit und Grosszügigkeit. Doch in der Praxis wirkt diese Weite oft unpersönlich, kühl und unstrukturiert. Die instinktive Reaktion vieler ist es, einfach mehr oder stärkere Lampen zu installieren, in der Hoffnung, die Dunkelheit zu vertreiben. Man kauft eine helle Deckenleuchte, fügt eine Stehlampe hinzu und wundert sich, warum der Raum trotz ausreichender Helligkeit keine Seele hat. Die üblichen Ratschläge erschöpfen sich oft darin, verschiedene Leuchtentypen zu mischen oder auf dimmbare Technik zu setzen.
Doch was wäre, wenn das Problem nicht die Menge des Lichts ist, sondern dessen Inszenierung? Was, wenn die wahre Kunst nicht darin besteht, Schatten zu eliminieren, sondern sie bewusst als architektonisches Werkzeug einzusetzen? Hier setzt die Lichtdramaturgie an. Es geht darum, Lichtinseln nicht als zufällige Ansammlung von Leuchten zu verstehen, sondern als bewusste Komposition, die den Blick lenkt, den Raum gliedert und emotionale Zonen schafft. Wie ein Bühnenbildner, der mit Spots und Dunkelheit die Aufmerksamkeit des Publikums steuert, können Sie mit Licht eine Raumskulptur erschaffen, die lebt und atmet.
Dieser Artikel führt Sie durch die Prinzipien der Lichtdramaturgie. Sie lernen, warum eine einzelne Deckenlampe versagt, wie Sie mit Schatten arbeiten, technische Fehler vermeiden und schliesslich eine funktionale und emotionale Lichtlandschaft erschaffen, die Ihrem grossen Raum Charakter, Struktur und Gemütlichkeit verleiht. Es ist eine Abkehr vom reinen Beleuchten hin zum bewussten Gestalten.
Um Ihnen eine klare Struktur für diese anspruchsvolle Aufgabe zu geben, gliedert sich dieser Leitfaden in präzise Fragestellungen. Jede Sektion baut auf der vorherigen auf und führt Sie von der grundlegenden Philosophie bis zur konkreten technischen Umsetzung.
Sommaire : Die dramaturgische Gliederung grosser Räume durch Licht
- Warum reicht eine Deckenlampe in der Raummitte niemals aus?
- Wie installieren Sie LED-Stripes hinter Möbeln, ohne dass man die Technik sieht?
- Licht oder Schatten: Warum ist der Schattenwurf genauso wichtig wie das Licht selbst?
- Der Fehler über dem Esstisch, der Ihre Gäste blendet
- Wann programmieren Sie welche Lichtszene? (Morgen, Arbeit, Relax)
- Warum ist die App-Steuerung im Alltag oft umständlicher als ein physischer Schalter?
- Wie lenken Sie den Blick mit einem Statement-Piece von der unaufgeräumten Küche ab?
- Wie viele Steckdosen und Auslässe brauchen Sie wirklich für ein 25m² Wohnzimmer?
Warum reicht eine Deckenlampe in der Raummitte niemals aus?
Eine zentrale Deckenlampe in einem grossen Raum ist der Inbegriff funktionaler, aber uninspirierter Beleuchtung. Sie erzeugt ein flaches, gleichmässiges Licht, das alle Schatten auslöscht und dem Raum jegliche Tiefe und Kontur raubt. Anstatt eine einladende Atmosphäre zu schaffen, führt sie zu einer monotonen Ausleuchtung, die an eine Wartehalle oder ein Büro erinnert. Die Ecken des Raumes bleiben oft im Halbdunkel, während die Mitte überbelichtet ist. Dieses Phänomen wird als „Lichtsee“ bezeichnet, in dem Möbel und Architekturdetails untergehen. Die Dramaturgie fehlt vollständig.
Das grundlegende Prinzip der Lichtinseln bricht mit diesem Ansatz. Statt einer einzigen, dominanten Quelle setzt man auf ein Ensemble mehrerer, dezentraler Leuchten. Experten zufolge sollte ein Wohnzimmer bereits bei einer durchschnittlichen Grösse von 20 Quadratmetern über 3 bis 5 Lichtquellen verfügen. Für grössere, offene Räume steigt diese Zahl entsprechend an. Jede dieser Lichtquellen definiert eine eigene Zone: die Leseecke mit einem gezielten Sessel-Licht, der Essbereich mit einer Pendelleuchte, eine Kunstwand mit gerichteten Spots. Diese Fragmentierung des Lichts erzeugt visuelle Ankerpunkte und gliedert den Raum auf natürliche Weise in funktionale Bereiche.
Der psychologische Effekt ist tiefgreifend. Anstatt einen einzigen, unüberschaubaren Grossraum wahrzunehmen, navigiert das Auge von einer einladenden Lichtinsel zur nächsten. Dazwischenliegende, sanft abgedunkelte Bereiche schaffen Ruhezonen für das Auge und erzeugen eine spannende Dynamik. Die zentrale Deckenleuchte wird damit nicht überflüssig, aber ihre Rolle ändert sich: Sie dient nur noch als Grundbeleuchtung für allgemeine Orientierung oder Putztätigkeiten und wird im Alltag meist ausgeschaltet oder stark gedimmt, während die inszenierten Lichtinseln die Hauptrolle spielen.
Wie installieren Sie LED-Stripes hinter Möbeln, ohne dass man die Technik sieht?
Indirektes Licht ist eine der wirkungsvollsten Techniken, um eine weiche, blendfreie Atmosphäre zu schaffen und Räumen Tiefe zu verleihen. LED-Stripes sind hierfür das ideale Werkzeug, doch ihre wahre Magie entfalten sie nur bei einer unsichtbaren und technisch sauberen Montage. Nichts zerstört die Illusion mehr als ein hervorblitzender LED-Punkt oder ein ungleichmässiger Lichtschein an der Wand. Die professionelle Installation ist daher keine Nebensache, sondern der Kern des Erfolgs.
Der häufigste Fehler ist das simple Aufkleben des Stripes direkt hinter eine Möbelkante. Dies führt zu einem harten, schmalen Lichtstreifen und oft zur direkten Sichtbarkeit der einzelnen LEDs. Für eine weiche, flächige Ausleuchtung ist die Positionierung entscheidend. Eine bewährte Methode ist die Montage des LED-Stripes in einem Aluminiumprofil im 45°-Winkel. Dieses Profil wird nicht direkt auf das Möbel geklebt, sondern auf eine kleine, dahinter montierte Holzleiste. Dadurch wird das Licht schräg nach oben an die Wand geworfen und verteilt sich grossflächig.

Wie die Detailansicht zeigt, ist die Präzision der Montage entscheidend für das Ergebnis. Folgende technische Punkte sind für eine gelungene verdeckte Installation zu beachten:
- Montagewinkel: Montieren Sie die LED-Stripes in einem Aluminiumprofil in einem 45°-Winkel zur Wand. Dies sorgt für eine bis zu 50% bessere und homogenere Lichtverteilung.
- Wandabstand: Halten Sie einen Mindestabstand von 10 cm von der Hinterkante des Möbels zur Wand ein, damit sich der Lichtkegel weich entfalten kann.
- Sichtschutz: Eine kleine, vorgesetzte Blende an der Möbeloberkante verhindert die direkte Einsicht auf den Stripe, selbst aus spitzem Winkel.
- Wärmeableitung: Die Verwendung von Aluminiumprofilen dient nicht nur der Ausrichtung, sondern auch der Kühlung, was die Lebensdauer der LEDs signifikant verlängert.
Licht oder Schatten: Warum ist der Schattenwurf genauso wichtig wie das Licht selbst?
In der westlichen Wohnkultur wird Schatten oft als etwas Negatives betrachtet, das es zu eliminieren gilt. Die Lichtarchitektur verfolgt einen diametral entgegengesetzten Ansatz: Schatten ist ein aktives, positives Gestaltungselement. Er ist die Leinwand, auf der das Licht seine Wirkung entfalten kann. Ein Raum ohne Schatten ist wie Musik ohne Pausen – eine monotone Flut von Informationen ohne Rhythmus oder Betonung. Erst das bewusste Zusammenspiel von Hell und Dunkel, die Schattenarchitektur, verleiht einem Raum Tiefe, Kontur und Spannung.
Lichtinseln funktionieren nur durch die Existenz von „Schattenmeeren“ dazwischen. Diese weniger beleuchteten Zonen sind keine verlorenen Bereiche, sondern Orte der visuellen Ruhe. Sie erlauben es dem Auge, sich auf die akzentuierten Bereiche zu konzentrieren, und schaffen eine Hierarchie der Wahrnehmung. Ein gezielt beleuchtetes Bild an der Wand tritt aus der Umgebung hervor, weil die Wand daneben im Halbschatten liegt. Eine gemütliche Leseecke wirkt einladend, weil sie sich als heller Kokon von der sanften Dunkelheit des restlichen Raumes abhebt. Wie die Lichtexperten von Lampify treffend formulieren:
Kleine Lichtinseln lenken den Blick durch den Raum, schaffen mehr Atmosphäre und laden zum Verweilen ein.
– Lampify Lichtexperten, Beleuchtungskonzept für das Schlafzimmer
Dieser Ansatz wird in der professionellen Lichtgestaltung in der Schweiz konsequent umgesetzt. Das Zürcher Planungsbüro SEKTOR4 beispielsweise nutzt Licht und Schatten, um Räume zu hierarchisieren und Materialien hervorzuheben. In ihrem Ansatz ist die Schattenwirkung kein Zufallsprodukt, sondern ein geplantes Element.
Schweizer Lichtgestaltung: Die bewusste Gestaltung mit Schatten
Das Lichtplanungsbüro SEKTOR4 aus Zürich beschreibt, wie die Wahrnehmung des Raumes durch Licht und Schatten hierarchisiert wird. Die Planer betonen, dass die bewusste Gestaltung mit Licht und Schatten sowie die Betonung der Materialität und der optischen Qualitäten von Oberflächen die Eckpfeiler für eine nachhaltige und wirkungsvolle Lichtgestaltung darstellen. Anstatt alles gleichmässig auszuleuchten, werden gezielt Bereiche akzentuiert, um eine visuelle Reise durch den Raum zu ermöglichen und dessen Architektur zu unterstreichen.
Der Fehler über dem Esstisch, der Ihre Gäste blendet
Der Esstisch ist oft das soziale Zentrum eines offenen Wohnbereichs. Hier findet Leben statt, hier kommen Menschen zusammen. Eine Pendelleuchte über dem Tisch ist daher nicht nur funktional, sondern auch ein zentrales Gestaltungselement. Der häufigste und unangenehmste Fehler, der hier gemacht wird, ist die Blendung. Eine zu hoch hängende Leuchte, ein falscher Lampenschirm oder eine zu starke Lichtquelle können dazu führen, dass die Gäste direkt in das Leuchtmittel blicken. Das Ergebnis ist nicht nur ungemütlich, sondern führt unbewusst zu Anspannung und verkrampfter Haltung.
Die korrekte Höhe der Leuchte ist der entscheidende Faktor zur Vermeidung von Blendung. Als Faustregel für die optimale Höhe gilt ein Abstand von 60-70 cm zwischen der Tischplatte und der Unterkante des Lampenschirms. In dieser Höhe beleuchtet die Lampe den Tisch perfekt, ohne den Sitzenden ins Gesicht zu leuchten oder das Blickfeld zum Gegenüber zu stören. In der Schweiz, wo viele Wohnungen unterschiedliche Deckenhöhen aufweisen, ist eine Anpassung an die jeweilige Raumsituation wichtig, wie diese Empfehlungen aus der Schweiz verdeutlichen.
| Deckenhöhe | Empfohlener Abstand | Besonderheit |
|---|---|---|
| Unter 2,40m | 55-60 cm | Am unteren Rand der Empfehlung bleiben, um den Raum nicht zu erdrücken. |
| 2,40-2,70m | 60-65 cm | Der Standard für die meisten modernen Wohnungen. |
| Über 2,70m | 65-70 cm | Etwas höher möglich, um die Proportionen in Altbauten zu wahren. |
Doch die Höhe allein ist nicht alles. Der Lampenschirm selbst spielt eine grosse Rolle. Breite, offene Schirme können trotz korrekter Höhe seitlich blenden. Opake oder transluzente Schirme, die das Licht nach unten lenken und sanft streuen, sind oft die bessere Wahl. Bei stark reflektierenden Tischoberflächen wie Glas helfen Tischsets oder eine Tischdecke, störende Reflexionen zu minimieren.
Ihre Checkliste zur Vermeidung von Blendung am Esstisch
- Höhe justieren: Stellen Sie die Lampe auf einen Abstand von 60-70 cm über der Tischplatte ein. Ein verstellbares Pendel ist ideal.
- Sitzprobe durchführen: Setzen Sie sich auf jeden Platz am Tisch. Können Sie von irgendeiner Position direkt in das Leuchtmittel sehen? Wenn ja, hängt die Lampe zu hoch oder der Schirm ist ungeeignet.
- Öffnungswinkel prüfen: Überprüfen Sie den Abstrahlwinkel des Lampenschirms. Das Licht sollte primär auf die Tischfläche fokussiert sein und nicht seitlich entweichen.
- Reflexionen managen: Verwenden Sie bei Glastischen oder Hochglanzoberflächen Tischdecken, Platzsets oder einen Tischläufer, um Spiegelungen zu neutralisieren.
- Dimmbarkeit nutzen: Wählen Sie eine dimmbare Leuchte. Volle Helligkeit wird selten benötigt. Ein gedimmtes, warmes Licht schafft die beste Atmosphäre für ein Abendessen.
Wann programmieren Sie welche Lichtszene? (Morgen, Arbeit, Relax)
Ein grosser, multifunktionaler Raum dient im Laufe des Tages verschiedensten Zwecken. Am Morgen ist er Ort für einen schnellen Kaffee, tagsüber vielleicht Home-Office, am Abend dient er der Entspannung oder dem geselligen Beisammensein. Ein statisches Lichtkonzept kann diesen unterschiedlichen Anforderungen nicht gerecht werden. Die wahre Meisterschaft in der Lichtdramaturgie liegt in der Schaffung dynamischer Lichtszenen – vorprogrammierter Kombinationen verschiedener Leuchten, Helligkeiten und Farbtemperaturen, die auf Knopfdruck die Atmosphäre des gesamten Raumes verändern.
Die Farbtemperatur, gemessen in Kelvin (K), ist dabei ein entscheidender Hebel. Sie beeinflusst unseren biologischen Rhythmus (circadianen Rhythmus) und unsere Stimmung. Kaltweisses Licht (ab 4000K) wirkt aktivierend und fördert die Konzentration, während warmweisses Licht (unter 3000K) entspannend und beruhigend wirkt. Für Wohnräume gelten als allgemein angenehm LED-Leuchten mit 2700 Kelvin mit Dimmfunktion, da sie dem klassischen Glühlampenlicht am nächsten kommen. Durch die Kombination verschiedener Leuchtmittel lassen sich jedoch gezielt Szenen für jede Situation schaffen.
Die Programmierung dieser Szenen erfolgt meist über ein Smart-Home-System (z.B. Philips Hue, KNX, Loxone). Anstatt einzelne Lampen zu schalten, rufen Sie mit einem Klick eine komplette Szene auf. Dies ermöglicht eine mühelose Transformation des Raumes.
| Tageszeit/Szene | Farbtemperatur | Wirkung & Umsetzung |
|---|---|---|
| Morgen / Frühstück | ~4000K (neutralweiss) | Aktivierend: Helles, eher kühles Licht aus der Küche und eine moderate Grundbeleuchtung simulieren Tageslicht und helfen beim Wachwerden. |
| Arbeit / Fokus | ~5300K (tageslichtweiss) | Konzentrationsfördernd: Eine helle, direkt auf den Arbeitsplatz gerichtete Schreibtischleuchte, kombiniert mit einer neutralen Grundbeleuchtung, um Augenermüdung zu vermeiden. |
| Feierabend / Relax | ~3000K (warmweiss) | Entspannend: Die Grund- und Arbeitsbeleuchtung wird ausgeschaltet. Nur noch indirekte Lichtquellen (LED-Stripes) und einzelne Akzentleuchten sind aktiv. |
| Abend / Dinner | ~2700K (extra warmweiss) | Gemütlich & Intim: Nur die gedimmte Pendelleuchte über dem Esstisch und vielleicht ein oder zwei sehr warme Akzentlichter im Hintergrund brennen. Der Rest des Raumes tritt in den Schatten zurück. |
Warum ist die App-Steuerung im Alltag oft umständlicher als ein physischer Schalter?
Smart-Home-Systeme versprechen die totale Kontrolle über die Beleuchtung via Smartphone-App. Das klingt verlockend: Lichtszenen programmieren, Farben ändern, von überall auf der Welt das Licht ein- und ausschalten. Für die einmalige Einrichtung und die Feinjustierung von Szenen ist eine App unbestreitbar das beste Werkzeug. Im Alltag erweist sich die reine App-Steuerung jedoch oft als hinderlich und unpraktisch. Der simple Akt, beim Betreten eines Raumes das Licht einzuschalten, wird zu einem mehrstufigen Prozess: Smartphone finden, entsperren, App suchen, App starten, richtigen Raum auswählen, gewünschte Szene antippen.
Dieser Vorgang ist deutlich umständlicher als das intuitive Betätigen eines physischen Schalters. Hinzu kommen technische Hürden: ein leerer Smartphone-Akku, ein WLAN-Ausfall oder ein Gast, der die App nicht installiert hat, können die Lichtsteuerung lahmlegen. Ein gutes Lichtkonzept darf niemals von einem einzigen, fehleranfälligen Bedienelement abhängig sein. Die Redundanz von Steuerungsoptionen ist ein zentrales Qualitätsmerkmal.
Die ideale Lösung liegt in einem hybriden Ansatz, der die Vorteile beider Welten kombiniert. Die App dient als „Experten-Tool“ für die Konfiguration, während strategisch platzierte, physische Schalter die 95% der täglichen Interaktionen abdecken. Dies garantiert Komfort und Ausfallsicherheit.
Praxisbeispiel: Die hybride Lichtsteuerung
Kirsten Fiebig vom Dortmunder raumideen-Store erklärt die beste Lösung für die Praxis: Eine hybride Steuerung. Die App wird für die detaillierte Programmierung der Szenen und die Feinjustierung von Farben und Helligkeiten genutzt. Für den Alltag werden jedoch intuitive, physische Schalter an strategischen Orten installiert. Diese Schalter können so programmiert werden, dass sie auf Knopfdruck die wichtigsten Lichtszenen (z.B. „Ankommen“, „Kochen“, „TV-Abend“) aufrufen. Dies garantiert eine grundlegende und komfortable Bedienung für jeden im Haushalt, auch bei WLAN-Ausfall oder wenn das Smartphone gerade nicht zur Hand ist.
Die Platzierung dieser Schalter ist entscheidend für den Komfort. Folgende Positionen haben sich bewährt:
- Hauptschalter am Raumeingang: Zum Einschalten einer „Willkommens“-Szene beim Betreten.
- Szenenschalter neben dem Sofa: Um bequem zwischen „Lesen“, „TV“ und „Relax“ wechseln zu können, ohne aufzustehen.
- Wechselschaltung im Ess- und Küchenbereich: Um die Beleuchtung von verschiedenen Zugängen aus steuern zu können.
- „Alles Aus“-Schalter: Am Ausgang, um mit einem Klick alle Lichter im Raum zu löschen.
Wie lenken Sie den Blick mit einem Statement-Piece von der unaufgeräumten Küche ab?
In offenen Wohnkonzepten ist die Küche oft permanent sichtbar. Selbst die aufgeräumteste Küche kann nach dem Kochen unordentlich wirken und die entspannte Atmosphäre des Wohnbereichs stören. Anstatt zu versuchen, das Chaos zu verbergen, nutzt die Lichtdramaturgie einen psychologischen Trick: die gezielte Blickführung. Man schafft einen visuellen Anziehungspunkt, der so stark ist, dass er die Aufmerksamkeit von weniger ästhetischen Bereichen ablenkt. Das Prinzip dahinter ist einfach, wie Lichtplanungsexperten in einem Beitrag für Houzz erklären: „Unser Auge wird immer vom hellsten Punkt im Raum angezogen“.
Ein spektakuläres „Statement-Piece“ – eine grosse, skulpturale Pendelleuchte, idealerweise ein Stück Schweizer Design mit hohem ästhetischem Anspruch – über dem Esstisch oder einer Sitzgruppe ist hierfür das perfekte Instrument. Diese Leuchte ist mehr als nur eine Lichtquelle; sie ist ein Kunstobjekt. Indem man sie als hellsten und interessantesten Punkt im Raum inszeniert, wird sie zum natürlichen Fokuspunkt. Der Blick des Betrachters wird magnetisch angezogen, während die weniger hell beleuchtete und periphere Küchenzeile in den Hintergrund der Wahrnehmung tritt.

Damit diese Strategie funktioniert, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss die Statement-Leuchte wirklich herausragend sein – in Grösse, Form oder Materialität. Eine gewöhnliche Leuchte hat nicht die nötige visuelle Anziehungskraft. Zweitens muss das restliche Lichtkonzept diese Hierarchie unterstützen. Das bedeutet: Die Beleuchtung im Küchenbereich sollte während des „Wohnmodus“ rein funktional und unauffällig oder sogar stark gedimmt sein. Wenn die Arbeitsbeleuchtung in der Küche heller strahlt als die Statement-Leuchte, scheitert der Effekt.
Diese Technik ist ein Paradebeispiel für die Macht der Lichtdramaturgie. Sie lösen ein praktisches Problem (Unordnung) nicht durch physisches Eingreifen (Aufräumen), sondern durch die Manipulation der Raumwahrnehmung. Sie kuratieren das, was gesehen wird, und dirigieren subtil die Aufmerksamkeit Ihrer Gäste und Ihrer selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- Lichtinseln sind keine Dekoration, sondern architektonische Werkzeuge zur Gliederung und Strukturierung grosser Räume.
- Das bewusste Zusammenspiel von Licht und Schatten (Lichtdramaturgie) schafft Tiefe, Atmosphäre und lenkt den Blick.
- Eine hybride Steuerung aus physischen Schaltern für den Alltag und einer App für die Konfiguration ist die praxistauglichste Lösung.
Wie viele Steckdosen und Auslässe brauchen Sie wirklich für ein 25m² Wohnzimmer?
Die beste Lichtplanung ist nutzlos, wenn die elektrische Infrastruktur fehlt. Kabel, die quer durch den Raum zu einer einzigen Steckdose führen, zerstören jede Ästhetik. Besonders in der Schweiz mit ihrem soliden Massivbau ist eine nachträgliche Installation von Steckdosen und Deckenauslässen extrem aufwendig und teuer. Eine grosszügige und vorausschauende Elektroplanung ist daher nicht nur eine Empfehlung, sondern die absolute Grundlage für ein flexibles und hochwertiges Lichtkonzept. Die Frage ist nicht, wie viele Steckdosen man aktuell braucht, sondern wie viele man für zukünftige Flexibilität benötigen könnte.
Als Basis für die Planung dient die Anzahl der geplanten Lichtinseln. Für einen 25m² grossen Wohnraum sollten Sie mit mindestens 3-4 separaten Lichtinseln planen, was ebenso viele schaltbare Anschlüsse erfordert. Eine „Lichtinsel“ kann eine Stehleuchte, eine Tischleuchte oder eine Gruppe von kleineren Leuchten sein. Planen Sie pro vorgesehener Insel mindestens eine dedizierte Steckdose ein. Idealerweise sind diese Steckdosen schaltbar, entweder über einen Wandschalter oder ein Smart-Home-System. Dies erspart das mühsame Ein- und Ausstecken oder die Nutzung von unschönen Funksteckdosen.
Eine durchdachte Elektroplanung geht aber über die reine Anzahl hinaus. Die Positionierung ist ebenso entscheidend. Denken Sie in Zonen und antizipieren Sie mögliche Umgestaltungen des Mobiliars. Bodenauslässe können beispielsweise eine elegante Lösung für eine Leuchte neben einem frei im Raum stehenden Sofa sein. Die Planung separater Stromkreise für verschiedene Lichtzonen (z.B. ein Kreis für die Grundbeleuchtung, ein anderer für die Akzentbeleuchtung) ermöglicht eine komplexere Steuerung und die Programmierung von Lichtszenen. Die Integration von smarten Unterputz-Modulen bereits in der Bauphase ist eine Investition, die sich langfristig auszahlt.
- Planung pro Lichtinsel: Kalkulieren Sie pro geplanter Steh- oder Tischleuchte mindestens eine schaltbare Steckdose.
- Flexibilität durch Bodenauslässe: Für eine spätere, flexible Möblierung sind Bodenauslässe in der Mitte des Raumes Gold wert.
- Vorausschauend smart planen: Planen Sie smarte Unterputz-Aktoren (z.B. für KNX, Zigbee) gleich mit ein, auch wenn Sie das System erst später nutzen.
- Deckenauslässe strategisch setzen: Positionieren Sie Deckenauslässe nicht nur in der Mitte, sondern auch über potenziellen Zonen wie dem Esstisch oder einer zukünftigen Leseecke.
- Grosszügigkeit im Massivbau: Speziell im Schweizer Massivbau gilt: Lieber zwei Steckdosen zu viel planen als eine zu wenig. Das Nachrüsten ist unverhältnismässig teuer.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihren Raum nicht nur zu beleuchten, sondern dramaturgisch zu inszenieren. Eine durchdachte Elektro- und Lichtplanung ist der erste Schritt zu einem Zuhause, das Struktur, Atmosphäre und Persönlichkeit ausstrahlt.